TV-Kritik

Sascha Ruefer besser als Beni Thurnheer

Dies zuvor: Wer im Fussball gewinnen will, muss ein Tor mehr schiessen als der Gegner. Aber schon ein Pünktchen hätte den Schweizern am Dienstag in Lissabon gegen Ronaldo & Co. gereicht, um sich mit einem krönenden Abschluss direkt für die Fussball-WM 2018 zu qualifizieren. Jetzt muss die Nati in der ersten Novemberhälfte in die Barrage. Vielleicht schafft sie es ja doch noch an die WM im nächsten Sommer in Russland. Aber das ist Schnee von morgen.

Offen gestanden: Ich habe nie an der Chancenlosigkeit der Schweiz gegen Europameister Portugal (mit CR7) gezweifelt. Wenigstens hat die Nati mitgeholfen, den Rasen im Estádio da Luz kaputt zu treten. Verlieren gehört nun auch wieder zum Wortschatz von Trainer Vladimir Petkovic.

Gewonnen hat für mich am Dienstagabend SRF-Kommentator Sascha Ruefer (45). Der Solothurner musste viel Kritik einstecken in seinen vergangenen 20 TV-Jahren. Fussballkommentatoren haben schon immer die Gemüter bewegt. Inzwischen finde ich Ruefer besser als seinen Vorgänger Beni Thurnheer, der die Schweizer Spiele bis vor acht Jahren kommentiert hatte.

Ich mag emotionale, unerschrockene und schnippische Fussballreporter. Das ist Ruefer nach wie vor. Doch er ist ruhiger und reifer geworden. Und sprachlich nicht mehr so übermotiviert wie früher. Somit polarisiert er unterdessen weniger. Gut für ihn. An seinem Sachverstand gab es nie auch nur das Geringste zu rütteln. Überzeugt haben einmal mehr ebenso Rainer Maria Salzgeber und Alain Sutter. Ihre Analysen vom Spielfeldrand sind präzis, ihre Einschätzungen sachlich-realistisch und für jeden Zuschauer nachvollziehbar. 

Als Zuschauer vor dem Bildschirm merkte man Ruefer, Salzgeber und Sutter die Enttäuschung über die schwache Leistung der Nati an. Auch sie hatten auf einen finalen Showdown gehofft. Und mussten stattdessen zusehen und kommentieren, wie die sogenannten Schweizer Fussballstars in der zweiten Halbzeit schwach anfingen und dann stark nachliessen. Wie sie selbstverschuldet demontiert und von der Realität eingeholt wurden. 

Nach dreieinhalb Stunden Fussball schauen habe ich genug Sport gemacht für diese Woche. In der Barrage stehen uns bald wieder zwei ebenso lange TV-Abende bevor. Ich habe fertig.

 


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Sebastian Renold, 11.10.2017 10:04 Uhr
    Vor dem Spiel hatte ein Rainer Maria S. seinen Kamera-Auftritt auf dem Rasen - im schwarzen Anzug, mit weissem Hemd, Krawatte und Stecktüchlein. Hatte der Overdresste den Fussball mit einer Hochzeit oder einer Auktion bei Sotheby verwechselt?
  • Gérard Brunner, 11.10.2017 23:02 Uhr
    Nun ja, wenn Sacha Ruefer & co. auf SRF einen internationalen Match moderiert, ist es Nationalliga A-mässig. Wenn man jedoch auf ARD oder ZDF einen internationalen Match schaut, ist es Champions-League. Man bekommt bei unseren deutschen Nachbarn soviel mehr Wissen und Fussballkompetenz, nach wie vor. Natürlich: Wenn die Schweiz gegen jemanden spielt, schaue ich SRF, da es nur dort übertragen wird. Bei Endspielen jedoch - zBsp. der WM-Finale - schaue ich auf ARD oder ZDF, denn dort sind die Kommentare soviel spannender und besser. SRF bleibt Nationalliga A, etwas bieder eben, nicht wirklich ein Glanzpunkt. Das ist wie, wenn SRF in der momentanen No Billag argumentiert, dass es dank SRF eine Plattform gibt, wo Schweizer Musiker und Filmer ihre Werke anbieten können. Und so müssen wir auf Radio SRF1 ca. 3 x Gölä, 2 x Peter Reber und 2 x Michael von der Heide und sicher noch 1 x Heinrich Müller und 1 x Florian Ast ertragen, weil die Schweizer Quote eingehalten werden muss. Doch ob das Schweizer Publikum wirklich so verfallen auf Gölä steht und dessen Song täglich mehrhmals hören will... ich weiss nicht so recht. Und so dümpelt SRF irgendwie im Provinziellen, Langweiligen. Zum guten Glück gibts Internet-Radio: da kann man dem Monopol-Diktat entrinnen.
  • Markus Hürlimann, 12.10.2017 08:50 Uhr
    Sacha Ruefer die grösste Zumutung der Fussballmoderatorengeschichte! Ich danke der multikulturellen Schweiz dafür und der SRF, dass ich auf RSI 2 umschalten kann. Ich habe nun vernommen, dass wieder über Unterhosen Marken und solches Zeugs moderiert wurde. Seit Jahren schaue ich auf RSI 2 die Länderspiele, die Kommentare von Ruefer bei denen es um alles geht aber nicht um Fussball sind mir einfach zuviel und zu kindisch. RSI 2 hat zwei Kommentatoren während des Spiels und noch einer an der Seitenlinie der sich dazwischenschaltet, falls dort was ab geht. Und glauben Sie mir, die kommentieren einen Fussballmatch und reden über dieses Thema. Mann muss gar nicht in den Norden schauen sondern der Blick über den oder durch den Gotthard reicht und man kriegt Fussballsprache at is best. Man muss nicht wirklich italienisch können, den sind wir ehrlich wer braucht schon Sportkommentatoren, man sieht ja alles selber. Die Emotionen und das Fussballfachwissen liegt definitiv in der Südschweiz. Ein Vorschlag noch, warum könnte man auf dem zweiten Tonkanal nicht einfach die Kommentare, bei allen Sportarten, abschalten und die Umgebungsgeräusche belassen? Dann wären wohl wirklich alle zufrieden und wir müssten keine solchen Kommentare mehr schreiben.
  • Dieter Widmer, 12.10.2017 09:14 Uhr
    Ich fand Sascha Ruefer gut, viel besser als bei früheren Spielen. Mich hat nur gestört, dass er dreimal den Begriff änderte, was die Schweiz jetzt bevorsteht: Erst sagte er Barrage, dann Playout und schliesslich Playoff. Barrage und Playoff sind richtig, aber Playout ist falsch.
  • Tom Briner, 12.10.2017 19:13 Uhr
    @Dieter Widmer. Die Österreicher sagen dem Ganzen "Relegation"und deswegen werde ich nicht um den Schlaf gebracht.
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