19.06.2017

Radiolandschaft

Wenn Butler «James» die grossen Hits serviert

Die Zukunft der SRG-Spartensender wie der Musikwelle, Radio Swiss Pop oder SRF Virus ist ungewiss. Die Politik muss darüber befinden. Derweil bringt sich ein neuer Sender in Position. Die Macher von James FM haben grosse Pläne.
Radiolandschaft: Wenn Butler «James» die grossen Hits serviert
Der «Butler James» begleitet stimmungsvoll durch den Tag und bringt «good times only». (Bild: zVg.)
von Christian Beck

Der Schock bei den Musikliebhabern war gross, als sie von der Motion «Reduktion Spartensender im Radiobereich» erfuhren. Eingereicht wurde diese von der nationalrätlichen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF). Prompt reagierte der Schweizer Musikrat mit einer Online-Petition. Das Ziel: 50'000 Unterschriften bis Ende Mai sollten gesammelt werden (persoenlich.com berichtete).

Zusammengekommen sind bis jetzt etwas mehr als 7200 Unterschriften. Und die Genugtuung, dass der Bundesrat die Motion zur Ablehnung empfiehlt. Das letzte Wort hat nun das Parlament, das Geschäft wurde noch nicht behandelt.

Sender wie die Musikwelle oder Virus seien sehr wertvoll für die jeweilige Zielgruppe, sagt André Sidler, ehemaliger Marketingmann von Julius Bär und Mitgründer von James FM (siehe Bild unten). Der junge Radiosender aus der Zentralschweiz will laut Slogan «good times only» vermitteln. «Die SRG-Spartensender bieten meines Erachtens nicht nur ein professionell gemachtes Programm, sondern auch einen Mehrwert im Sinne des Service Public, welcher allerdings nicht nur durch die SRG, sondern weitgehend auch durch Private erbracht werden könnte.» Zum Beispiel durch James FM.

Ehemalige Radiomoderatoren leihen die Stimmen

Der kleine Sender startete bereits im Frühling 2016 – allerdings noch auf Sparflamme und ohne PR in eigener Sache. In den letzten Monaten kamen ehemalige Radiomoderatoren wie Lorenz Knecht (ex Radio Sunshine), Michel Erismann (ex Radio Argovia) und Marco Castellaneta (ex Radio Pilatus und Energy) dazu. «Sie unterstützen uns und leihen James FM ihre Stimmen. Sie machen Zeitansagen, wünschen einen schönen Tag oder laden auch mal zu einem entspannten Abend ein», so Sidler zu persoenlich.com. Damit ist aber auch schon genug «Blabla». Denn der Sender will vor allem stimmungsvoll durch den Tag begleiten mit einem abwechslungsreichen Musikprogramm aus melodiösen Popsongs von gestern und heute.

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Immerhin: James FM – FM steht hier für «for music» – erreicht via Webstream laut eigenen Angaben monatlich rund 160'000 Hörer. Der Musiksender wird inzwischen auch über eine App, Kabel und Swisscom-TV in jeden Schweizer Haushalt verbreitet. Im Raum Zentralschweiz mit den Städten Zug und Luzern ist James FM auch auf DAB+ empfangbar. Finanziert wird der Radiosender, der sich an ein «erwachsenes Publikum» ab 40 Jahren richtet, in erster Linie durch Programm-Sponsoring. Mit den Erträgen werden die Betriebskosten gedeckt, Auskünfte zu konkreten Finanzzahlen gibt es jedoch nicht. Löhne auszahlen zu können, sei in dieser Phase des Start-ups auch gar noch nicht das Ziel, sagt Sidler.

Vision eines Medienbetriebs

Sollte die Politik den SRG-Sendern eine Abfuhr erteilen, würde die Stunde für kleine Sender wie James FM schlagen. Generell dürfte die Branche in den kommenden Jahren einen Umbruch erleben, dies durch DAB+, Internetradio und den veränderten Rahmenbedingungen durch den Bund. «Neue Sender und Formate wie James FM bereichern die Radiolandschaft und leisten einen Beitrag zur Medienvielfalt und dem Service Public in der Schweiz», sagt Sidler, der das Programm in den kommenden Jahren weiter ausbauen will. «Wir verfolgen einen langfristigen Businessplan und sind überzeugt, dass wir unsere Position in der deutschsprachigen Schweiz weiter ausbauen und die nächste Radiogeneration mitgestalten können», sagt der 48-Jährige, der im Hauptberuf COO einer Zentralschweizer Klinik ist, optimistisch.

Aktuell sei James FM ein Teilzeit-Engagement einer kleinen Gruppe begeisterter Radiomacher. Hauptsächlich sendet «James, der Butler», sprich ein dynamisch programmierter Tagesablauf. Im Studio treffen sich die Macher jeweils in den Abendstunden, um die folgenden Tage vorzubereiten. Aber: «Mittelfristig soll ein Medienbetrieb mit einigen Arbeitsplätzen entstehen», so Sidler. Stimmt die Kasse, stehen die Chancen nicht schlecht: Den Hörern dürfte es am Ende egal sein, woher die Musik kommt – ob von staatlich subventionierten Sendern oder von Privaten. Solange der Mix stimmt.



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Kommentare

  • Thomas Langenegger, 20.06.2017 05:36 Uhr
    JamesFM begleitet mich mittlerweile auf der ganzen Welt. Ob via Sonos, App oder Live-Stream, der Butler hat für mich dem auch guten Radio Swiss Pop unterdessen den Rang abgelaufen. Klare Empfehlung!
  • Edi Bühler, 20.06.2017 16:05 Uhr
    Höre seit heute Mittag diesen Sender. Kompliment zur handverlesenen und geschmackvollen Musikauswahl. Bis jetzt echte Alternative zum SRG-Festplattenradio.

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